Angelboote Norwegen

GFK- und Aluminiumboote in Norwegen

Angelboote im Hafen

Ordentliche 19 Fuß Aluboote mit 50 PS und Kartenplotter gehören heute zum Standard für das Angeln in Norwegen.

Für den Urlaub in Norwegen sind GFK- und Aluminium-Angelboote das Maß der Dinge, welche die alten Holz-Dieselschnecken (und andere “Nußschalen”) abgelöst haben.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends und der gestiegenen Nachfrage nach größeren und schnelleren Booten begannen sich vor allem offene Aluminium-Angelboote mit 19 bis 22 Fuß Länge und einer entsprechenden Motorisierung von 50 bis 115 PS durchzusetzen. Ebenfalls beliebt und stark am Angelreisenmarkt vertreten, sind Kabinenboote mit einer Länge von 22 bis 24 Fuß. Ich persönlich bin ein Fan von offenen Alubooten mit 19 Fuß und 50-70 PS. Standardmäßig finden die Angler in der Regel Kartenplotter auf den gemieteten Angelbooten vor. Das Echolot, was in den 1990er Jahren von vielen Petrijüngern noch nach Norwegen mitgebracht wurde, kann also zu Hause bleiben.

Sicherheit beim Angeln in Norwegen

Angeln mit dem gemieteten Boot in Norwegen – Meeresangeln ist einer der letzten Freiräume für Individualismus in freier und unverbrauchter Natur. Aber es kann auch gefährlich werden. Damit ihr einen schönen Urlaub verlebt, sollten einige Dinge beachtet werden.

Wellen Nordmeer Norwegen

Achtung bei Kreuzwellen! Ein weißer Kamm ist ein Zeichen, dass es gefährlich werden kann.

Vorsicht bei “kabbeliger” See. © Andreas Stiehler

Wichtige Hinweise zur Nutzung von Booten beim Angeln in Norwegen

  • Auf keinen Fall mit kleineren (unter 17 Fuß) GFK Booten zu weit hinausfahren. Einige hunderte Meter Entfernung von der letzten Insel reicht – damit sollte man es bewenden lassen.
  • In kleineren Booten niemals aufstehen. Unkontrollierte Bewegungen könnten euer Boot zum Kentern bringen.
  • Nehmt immer genug Bootsbenzin mit. Ein Reservekanister kann nie schaden. Lasst auch die Paddel niemals an Land zurück. Im Falle ihr lauft doch mal auf, können sie helfen euch abzustossen und das Boot freizumachen.
  • Sollte der Wind von Land her auffrischen, dann fahrt lieber etwas dichter unter Land.
  • Benutzt für das “kleine Geschäft” einen Eimer. Ist sicherer als es über Bord abzulassen.
  • Alkohol in übermäßiger Form hat auf einem Boot absolut nichts zu suchen. Der Führer eines Bootes sollte generell auf Alkohol verzichten. Don’t drink and drive auch beim Bootfahren!
  • Beachtet die seit 01. Mai 2015 gültige Tragepflicht von Rettungswesten.
  • Speichert euch die Nummer des Gastgebers in euer Handy und auch die der Küstenwache. Auch wenn es lapidar klingt: das Handy sollte geladen sein.
  • Wer sich unsicher ist, sollte lieber einen Umweg in Kauf nehmen, anstatt mit Abkürzungen durch unübersichtliche und mit Untiefen gespickte Schärendurchfahrten den Defekt der Schiffsschraube zu riskieren.
  • Passiert es doch einmal, dass ihr auf eine Untiefe aufgelaufen seid, dann gilt: Ruhe bewahrenMotor aus und hochtrimmen.
  • Vor jeder Ausfahrt solltet ihr den aktuellen Wetterbericht inklusive der Winddaten studieren. Dank Internet (WLAN ist mittlerweile in fast allen Anglerunterkünften Standard) ist es heutzutage einfach möglich, sich diese Informationen selber zu besorgen.
  • Da das Wetter innerhalb weniger Minuten umschlagen kann, solltet ihr bei Bedarf wasserfeste und warme Kleidung mitnehmen. Auch ein Halstuch oder ein Hut kann beispielsweise an einem windigen Tag vorteilhaft sein.
  • Wer Wert auf etwas mehr Komfort legt, der kann beim Angeln Schnurzähler (dazu später mehr) oder Angelrutenhalter einsetzen. Durch den Rutenhalter hat man bei Bedarf die Hände frei, was hilfreich sein kann, wenn ihr das Handy benutzen oder zu den Paddeln greifen müsst. Wichtig ist, dass dieses und anderes Bootszubehör salzwassertauglich ist, also beispielsweise aus Edelstahl gefertigt wurde. Passende Haltermodelle findet man in Shops wie Lamprecht 24, wo auch die tragepflichtigen Rettungswesten erhältlich sind.
  • Auch ein Verbandskasten an Bord macht Sinn, denn es können auch bei einem Bootsausflug kleinere oder sogar größere Verletzungen drohen.

Weitere Tipps und Informationen findet ihr im Artikel Angeln ohne Risiko.

Kuttertouren in Norwegen

Der eine oder andere hat mit Kutterausfahrten in Norwegen vielleicht nicht ganz so gute Erfahrungen gemacht. Vornehmlich war man der Meinung, der Kapitän oder Schiffseigner habe sich nicht genug bemüht.

Nun, man sollte es wie mit den Kutterausfahrten auf der Ostsee halten. Entweder man hat Glück oder eben nicht. Ist der Fisch da und fängt man gut, war es klasse. Geht man leer aus, war alles Mist. Sicher stimmt es, dass der eine oder andere Kutterkapitän nur auf schnelle Euros oder Norwegenkrone aus ist. Aber es gibt auch viele, die sich wirklich bemühen und gute Fangplätze aufsuchen. Aber eine Fanggarantie gibt es eben auch in Norwegen nicht. War die Ausfahrt nichts, dann hat man es eben halt einmal probiert.

Am schönsten sind Ausfahrten mit kleinen Kuttern, wo so um 10 Personen Platz finden. Beim Werfen darauf achten, dass niemand durch herumfliegende Pilker verletzt wird. Angelschnüre können sich auch in der Motorschraube verwickeln. Ein manövrierunfähiges Schiff könnte die Folge sein – bitte nicht lachen, alles schon erlebt!

Ich muß ko…. die Seekrankheit in Norwegen kann jeden treffen

Seekrankheit ist nichts Lächerliches, sondern kann jeden treffen. Aber keine Sorge, die vergeht an Land wieder im Nu. Es gibt viele Tipps, wie man sich schützen kann. Ausreichend essen, wenig Alkohol, viel Schlaf. Wer extrem anfällig für Seekrankheit ist, sollte sich Tabletten dagegen besorgen. Auf dem Schiff den mittleren Bereich zum Angeln wählen, da sich die Stabilität des Bootes hier am besten auswirkt. Besser gesagt, an diesem Punkt liegt das Boot am ruhigsten.

Nach Möglichkeit sollte auf den Horizont geschaut werden. Dabei nimmt man das Schaukeln des Schiffes nicht so extrem wahr. Dieser Tipp gestaltet sich beim Fischen jedoch als schwierig. Denn die Aufmerksamkeit lenkt doch immer wieder auf das Wasser. Wer dran denkt, wird auch seekrank. Wer davon bereits betroffen ist, sollte tabakrauchverqualmte Kajüten (bsp. bei Kuttertouren) meiden. Und dieselhaltige Auspuffgase verschlimmern das Ganze nur noch. Die beste Medizin dagegen ist, wenn die Fische beißen. Dann vergisst man sie auch schnell wieder.


Gleiter und Verdränger beim Angeln in Norwegen von Jochen Himmelskamp

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bootstypen.

Die “Gleiter” und die “Verdränger“.

Gleiter sind Boote, die so gebaut sind, dass sie ab einer bestimmten Geschwindigkeit mit dem Bug aus dem Wasser heraus kommen und auf der eigenen Bugwelle über das Wasser gleiten. In diesem Zustand kann man die Geschwindigkeit theoretisch beliebig steigern. Praktisch kommt es natürlich irgendwann zu einem nicht mehr zu kontrollierenden Zustand mit der Folge von recht unangenehmen Überschlägen oder ähnlichen Figuren aus dem Eiskunstlauf.

Um ein Boot ins “Gleiten” zu bekommen, ist nicht nur eine besondere Bootsform, sondern auch eine genügend große Motorisierung notwendig. Bei einer Länge von 4,60m und drei Personen sowie einer entsprechenden Nutzlast von Angeln, Pilkern, Proviant (fest und flüssig) usw sollten es schon 25 PS sein. Das ist jetzt ein Erfahrungswert von mir, der nicht wissenschaftlich belegt ist.

Reicht die Motorleistung nicht aus, fährt auch ein Gleiter als Verdränger. Dieses “über das Wasser gleiten” kann man aber nur bei relativ ruhigem Wetter. Wird die See zu hoch, muss die Geschwindigkeit reduziert werden und man fährt dann als Verdränger.

Verdränger sind zum Beispiel alle großen Schiffe, wie Frachtschiffe, Kutter, die meisten Segler und die Dieselschnecken (weiss der Henker woher der Name kommt). Bei diesen Typen kann man die Geschwindigkeit nicht über eine gewisse Grenze -die Rumpfgeschwindigkeit- steigern. Da nützt es auch nicht, wenn die Motorleistung erhöht wird. Die Rumpfgeschwindigkeit eines Schiffes wird durch die Länge, mit der das
Schiff im Wasser liegt, bestimmt. Es soll hochgebildete Personen geben, die das exakt berechnen können.

Als Faustformel reicht für den Normalsterblichen:

Rumpfgeschwindigkeit = Länge des Bootes/Wurzel aus 2 (also 1,41). Das Ergebnis ist in Knoten. Bei einem 4,60m langem Boot ergibt sich eine Geschwindigkeit von ~ 3,3 Knoten. Also nicht besonders flott. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, je länger das Boot, umso größer ist die Rumpfgeschwindigkeit. Bei einem Dieselkutter von 24 Fuß ist das dann mit ~5,1 Knoten gar nicht mal so schlecht.

Beide Typen haben Vor- und Nachteile:

Gleiter sind erheblich schneller, der Angelplatz ist in kürzerer Zeit erreicht und man kann bei aufkommendem schlechten Wetter besser abhauen und die schützenden Schären erreichen. Ist der Wind allerdings da, dann ist das mit einem Verdränger, und da besonders mit den Dieselkuttern der Nörgs, besser abzuwettern. Mit den Dingern sind in grauer Vorzeit die Fischer als “Ich AG” zur See gefahren und haben sich ihren Lebensunterhalt verdient. Diese Boote “passen” einfach erstklassig in die Wellen und schaukeln einen zwar langsam aber sicher nach Hause.

Für beide gilt aber auch, dass der Motor nicht zu klein ist (unter 10 PS). Bei rauem Wasser “gegen an” wird man nicht so stark abgebremst und bei achterlicher See ist das Boot besser auf Kurs zu halten.

Bei der Größe der Boote hat vermutlich jeder so seine eigene Vorstellung. Für mich gilt, dass es ein zu großes Boot eigentlich nicht gibt. Jedenfalls hab ich bei den Angeboten der Reiseveranstalter noch keins gefunden. Je größer, umso bequemer ist die Angelei. Und sicherer ist das Ganze auch noch.

Meine Mindestgrößen für Norwegen:

Boote mit Außenborder sollten 5m bzw 17 Fuß lang sein und einen 30 PS Motor haben.

Dieselkutter müssen mindestens 21 Fuß lang und eine 10 PS Maschine haben.

Zum Abschluss hab ich da noch einen Spruch, den ich von einem alten Segler gehört habe, und den sich jeder, der sich auf Meer traut beherzigen sollte:

Ogen op und kloren
Kurs

Anners supst du af und bist in Moors!

Das ist Plattdeutsch. Auf Wunsch gibt es eine auch im südlichen Teil unserer Republik verständliche Übersetzung.