Angeln auf offener See

Angeln auf dem Nordmeer – das Wichtigste zuerst

Fahrt niemals alleine auf die offene See hinaus!

Mindestens zwei, besser drei Boote sollten eine Gruppe bilden. Das gilt eigentlich nicht nur für die offene See, sondern generell, aber hier besonders. Bekommt ihr hier draußen den Motor nicht mehr an und seid alleine, dann hilft euch kein Ruder, sondern nur noch beten, dass euch irgendwann ein Fischerboot aufgabelt. Auf diese Art und Weise, man muß es so hart sagen, haben schon viele Meeresangler, vorallem deutsche, in den Weiten des Nordmeeres ihre letzte Ruhestätte gefunden…

Fischen auf offener See in Norwegen

Bei gutem Wetter kann es ruhig ein Stück weiter raus zu den Plateaus auf die offene See gehen. Weite Ausfahrten solltet ihr immer mit mindestens zwei Booten unternehmen.

Raus geht’s, aber Vorsicht walten lassen. © Andreas Stiehler

Damit euch das erspart bleibt, beachtet ein paar Grundregeln und seid vorsichtig. Ein zweiter Aspekt ist natürlich das Wetter. Solche Touren sollte man wirklich nur bei super Wetter unternehmen, d.h. kaum Wind und ruhige See. Fahrt zuerst weit entfernte Stellen an, wird das Wetter schlechter, fahrt ihr Richtung Land und fischt diese Stellen ab.

Wichtige Hilfsmittel beim Angeln in Norwegen

Besonders auf der offenen See sind GPS, Seekartenausschnitt und Echolot unablässige Begleiter, neben einem Reservekanister, Ersatzzündkerze und genügend Proviant (viel Wasser einpacken). Sucht euch am Abend zuvor ein paar geeignete Stellen aus, wie Unterwasserberge, Plateaus, Löcher, einfach aussichtsreiche Stellen die auf Fisch hindeuten könnten.

Mit einer Flasche Hochprozentigem lassen sich auch bei Berufsfischern sehr gute Stellen entlocken. Ist das Wetter am nächsten Tag gut, dann heißt es früh raus und los. Wie bereits erwähnt, werden zunächst die entferntesten Ziele angefahren. Mit GPS und Seekartenausschnitt sollten die Stellen schnell gefunden und mit einem Echolot genau lokalisiert sein.

Wo Berufsfischer mit ihren Booten stehen, solltet ihr es auf jeden Fall probieren. Haltet Abstand und versucht die Position mit eurem GPS abzuspeichern. Beim nächsten mal, wenn die Berufsfischer weg sind, sucht ihr die Kante mit eurem Echolot.

Das Angelnin Norwegen & was man fängt

Da sich die Kapitalen nur sehr selten in die Fjorde verirren (meist im Sommer wenn es sehr warm ist), oder sich zum Laichen in Küstennähe begeben, muß man viel Glück haben, um hier einen Kapitalen zu fangen. Wer also seine Chancen auf einen Kapitalen erhöhen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als die offene See.

Die Angeltechniken in Norwegen auf offener See

sind unwesentlich anders als die, die man im Fjord ausübt, also Pilken und Naturköderangeln. Einziger Unterschied, man wird wohl etwas tiefer fischen. Das bedeutet, man sollte Rollen mit genügend Schnurfassung auf dem Boot haben.

Oft werden Plateaus angefahren, speziell da, wo man Köhler und Rotbarsche findet. Mit einem Seekartenausschnitt kein Problem einige solcher Stellen zu finden. Hier draußen stehen dann auch die richtigen Kaliber! Sind diese Stellen gefunden, dann gilt es mit dem Echolot die Schwärme auszumachen und dann gezielt zu befischen. Dazu eignen sich Rollen mit Schnurzähler. Schnurzähler gibt es aber auch einzeln, sie werden einfach auf die Rute montiert. Der Vorteil ist, dass man anhand des Echolotes die genaue Tiefe des Schwarmes kennt und mit dem Schnurzähler genau in diese Tiefe die Montage ablassen kann.

Wer Schnurzähler für unnötig hält, der markiert sich auf herkömmliche Art seine Schnur. Beispielsweise alle 50 Meter eine Markierung auf der Schnur (natürlich mit wasserfestem Stift). Funktioniert auch, allerdings nicht so komfortabel und genau wie ein Schnurzähler.


Tiefseefischen Norwegen – Spezial

Schon lange fischen Angler nicht nur mit der leichten Pilke in Idealtiefen von 30-100m zwischen Schären und Inseln, sondern auch in “Tiefseegefilden” mit schwerem Gerät in Wassertiefen zwischen 150-300m und tiefer!

Wissenschaftlich gesehen beginnt die Tiefsee zwar erst ab ca. 2.000 m, aber das soll uns Angler nicht weiter stören. Norwegens Fjorde und Küstengewässer bieten hervorragende Möglichkeiten der Tiefseefischerei und meist findet man mit Hilfe von Seekarten und guten Echoloten viel versprechende Stellen. Wie immer gilt es Ausschau nach Kanten, Abbrüchen, Löchern, Unterwasserberge, Riffe, etc. zu halten. Große ebene Flächen könnten Heilbutt und Seeteufel verdächtig sein. Wer “irgendwo” angelt, minimiert seine Chance auf kapitalen Fisch gewaltig. Ohne Seekarte und Echolot fischt man im “Trüben”!

Welche Fische man in den tieferen Zonen erwarten kann? Seeteufel, Seehecht, Rotbarsch, Dornhai, Seewolf, Dorsch, Lumb, Leng, Heilbutt, um nur einige zu nennen. Folgende Ausrüstung (Anhaltspunkt) sollte für diese schwere Naturköderangelei vorhanden sein.

  • Kurze Bootsrute 1,70-2,10 m / WG 50lbs

  • Stabile Multirolle mit großer Schnurfassung

  • 500-900m multifile Schnur der 30-50lbs Klasse

  • Bleie von 500-1000g

  • Einzelhaken 10/0-15/0

Stationärrollen scheiden von vornherein aus, da sich das Angeln in großen Tiefen damit nicht oder zumindest nur unter großen Problemen bewerkstelligen lässt. Monofile (Sehne) Schnur scheidet ebenfalls wegen des Gummibandeffektes (große Dehnung) aus. Die Rolle (Multi) sollte auf jeden Fall 500m einer 0,35mm geflochtenen Schnur fassen.

Erstens wegen der ständigen Drift und zweitens um ausreichende Reserve für den Fall der Fälle auf der Rolle zu haben. Einen 50 Pfd. Heilbutt kurbelt man nicht mal eben so an die Wasseroberfläche. Einen 50 Pfd. Seeteufel oder Dorsch auch nicht. Hier sind also beim Anbiss mit Fluchten der Fische zu rechnen. Wer dann an der Länge der Schnur gespart hat, kann die Fluchten dann nicht mehr mit einem Drill parieren. Als Köder sollten Fettfische wie etwa Hering und Makrele als Filet oder im ganzen verwendet werden.

Wer kompromisslos auf die Großen aus ist, sollte besser gleich ganze Köderfische verwenden. Je größer der Köder, desto fetter die Beute. Eine starke Bootsdrift lässt sich mit einer Wasserschirmbremse (Treibanker) etwas kompensieren. Wunder sollte man aber von Driftsäcken, Eimern und Ankern nicht erwarten. Die Meeresströmungen in Norge sind teilweise gewaltig.

Wegen der meist starken Strömung und Drift müssen schwere Bleie vorhanden sein. Ab 300g ist man auf der sicheren Seite. Nach oben sind die Grenzen fließend. Je tiefer und stärker die Strömungen, besonders während der Umkehrphasen der Tiden (auf- und ablaufendes Wasser) können extreme Gewichte benötigt werden. Daher sollten bis ca. 1000g Gewichte nicht fehlen. Allerdings muss dann jeder für sich entscheiden, ob das Angeln mit diesen Gewichten noch Spaß macht. Das Ablassen macht noch Spaß, das Heraufkurbeln von 500g Bleigewicht sicher nicht. Allerdings wird die Muskulatur dadurch deutlich gestärkt, was sich ja positiv auswirkt.

Bei dieser Angelart müssen auch die Kleinteile wie Wirbel, Karabiner, Haken, Ringe etc. besonderen Belastungen standhalten. Verwendet also nur 1A Qualität bei den Kleinteilen. Die Schnur allerdings muss nicht die teuerste sein. Eine günstige tut es in der Regel auch.

Es bringt wirklich nichts eine gute teure Angelausrüstung anzuschaffen und beim Rest zu sparen. Meist rächt sich das auf bittere Weise. Nämlich dann, wenn z.B. ein Kapitaler den Haken aufbiegt oder ein Wirbel bricht. Wer seine Montagen selber bindet, sollte alle Knoten gut überprüfen. Wer lieber fertige kauft, achte auch hier auf gute Qualität. Hängt die Endschlaufe eurer Montage in eine Türklinke und zieht kräftig dran. Schlechte Montagen und Schnur reißen bei diesem Test häufig. Vor allem wenn die Schnur der Montage zu dünn ist. Wie dick sollte die Schnur der Montage für das Tiefseefischen sein? Zwischen 0,90-1,20 mm.

Folgende drei Vorteile der Tiefseefischerei

1. Die Chance auf große, kapitale Fische ist größer.

2. Bei heißen Sommern in Norwegen lässt die Beißlust der Fische häufig zu wünschen übrig. Wer dann auf die kälteren Zonen der “Tiefsee” ausweicht, erhöht evtl. seine Fangchancen beträchtlich.

3. Körperliche Ertüchtigung durch große Gewichte (Spaß am Rande)